Kapitel 8/8: O – Originalität und Optimismus

Autorin: Sonja Schönberger
Fortsetzung der Festschrift - hier geht es zu Teil 7: Stapeln, Schleppen & Schuften

Unsere Einstellung ist grundsätzlich positiv. Zu Beginn der Übernahme sind wir positiv motiviert auf Basis einer vorherrschenden Naivität. Heute sind wir positiv aufgrund vieler schöner Begegnungen, die wir mit unseren Kunden und Mitarbeitern hatten und haben. Es macht froh, Teil einer Kultur zu sein, die dafür sorgt, dass Menschen zusammenkommen, sich austauschen und auch, dass Verkaufsläden weiterhin existieren. Wir sind selbst ebenfalls online, betreiben den Webshop und viel Kommunikation läuft halt nur elektronisch. Aber gleichzeitig wollen wir sicherstellen, dass  Einkaufen weiterhin Leben auf die Straßen bringt, dass Menschen bummeln, Auslagen schauen und schmökern können. Und ein paar Services funktionieren eben nur „offline“ – wie beispielsweise die Reparatur von Kaffeemaschinen. Man kann zwar Maschinen günstig online kaufen, aber  Reparatur-Service wird meist nicht angeboten. Oft bekommt man in solchen Fällen sogar die Aufforderung: „Schmeißen Sie weg und kaufen Sie neu“. Das ist nicht unser Credo – wir wollen bewahren und nur im äußersten Fall erneuern!

Auch wenn ein Online-Klon-Avatar ab und an nicht schlecht wäre und „beamen“ helfen würde, rasch an mehreren Stellen gleichzeitig sein zu können. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir möchten nicht tauschen – es ist gut so, wie es ist. Selbst wenn die physische Präsenz uns mit formalen Sinnlosigkeiten beschäftigt wie beispielsweise einmal, als unser sogenannter „Winterschanigarten“ – bestehend aus nur einem einzelnen Stehtisch 😉 – von nicht weniger als acht Amtspersonen besichtigt werden musste, bevor er genehmigt wurde (dazu gibt es ebenfalls eine Kaffeehausgeschichte). Ja, das nehmen wir in Kauf. Unsere Überzeugung: Humor ist stets ein guter Begleiter – in allen Lebenslagen. Können wir nur weiterempfehlen, insbesondere allen Ladenbesitzern und überhaupt.

Das Geheimnis des Erfolgs

Ein Teil des Geheimnisses des kleinen Espressos ist sicherlich die Enge und dadurch entstehende Nähe zwischen Menschen. Es ist hier immer was los: Manchmal kommt einem das Bild des mittelalterlichen Marktbrunnens in den Sinn. Damals erfuhr man dort alles Neue: Wer hat was im Angebot, was sagt die Stadtregierung, bei wem wurde eingebrochen, wo findet das nächste Fest statt oder welches Konzert bzw. welche Theateraufführung sollte man unbedingt hören oder sehen. Gleich morgens kommen einige benachbarte Geschäftsleute und viele Stammgäste auf ihren ersten Kaffee. Man tauscht sich aus – untereinander und oft alle gleichzeitig. Das führt teils zu lustigen, teils zu sehr informativen Gesprächen. Diese Geselligkeit ist ansteckend. Man hört gerne zu oder beteiligt sich an den Gesprächen. Es „wurlt“ und man genießt dieses Ambiente bei einem guten Kaffee.

People buy from people, sagt man. Dieses Business-Zitat trifft es eigentlich ziemlich genau. Ja, bei uns „menschelt“ es! Wir sprechen mit Kunden und Passanten, tauschen Meinungen aus, raten auch mal von einem für uns lukrativen Geschäft ab, wenn wir das Gefühl haben, es entspricht nicht dem jeweiligen Kundenwunsch.

Neugier und Hunger auf Neues
Wir haben gerne Abwechslung. Das heißt: Neues ist uns immer willkommen. Das führt dazu, dass es immer wieder wirklich originelle Ideen gibt – von unserem Team, von Gästen oder unserem Freundeskreis – die wir dann auch umsetzen. Sei es in Form von neuen Kaffee-Getränken, Aushängen, Videos oder Zusatz-Produkten. Klingt das Neue interessant genug, dann probieren wir es aus. Schnell stellt sich heraus, ob diese Neuerung es wert ist, ins Sortiment Einzug zu halten. Ein paar Stichwörter in alphabetischer Reihenfolge dazu: Avocado-Kaffee Latte – kurz Avolatte, Bulletproof-Coffe, Nitro-Coffee, Sambuca mit Fliege – das alles und vieles mehr ist schon da gewesen und ob der geringen Nachfrage wieder gestrichen worden. Wir sind halt doch in Österreich und nicht in Australien oder den USA. Österreicher schätzen eine gewisse Tradition, wenn es um Kaffee geht. Aber die eine oder andere Neuerung ist gekommen, um zu bleiben. Schließlich war die Espresso-Maschine selbst mal eine Innovation. Mehr dazu ist beispielsweise in unserem WIKI-Eintrag nachzulesen: https://www.beans-and-machines.at/blog/die-geschichte-des-espressos

Natürlich macht diese Neugier nicht Halt bei Kaffees, sondern sie gilt auch für Alles rund um Kaffee-Zubereitung: Neue Mühlen, Siebträger, E.S.E-Maschinen oder Barista-Gadgets. Wir probieren regelmäßig und gerne! 😉 Nachfolgend ein paar Beispiele:


Ganz nach dem Motto „Alles.Bleibt.Besser“ werden wir also weiterhin an Trends dran bleiben, Neues ausprobieren und das Sortiment entsprechend erweitern.

Aber natürlich ist Tradition – gerade in diesem wunderbar denkmalgeschützten Espresso-Flair – ein großes Thema. Daher steht bei uns die Melange nach wie vor hoch im Kurs. Ihr haben wir auch ein Kaffee-Denkmal gesetzt: Die neue kreierte Röstung namens „Wie(d)ner Melange“ zollt ihr Tribut. Schließlich fühlen wir uns hier zu Hause und willkommen. Sie ist unsere Liebeserklärung an dieses einzigartige Grätzel im vierten Wiener Gemeindebezirk, unserer selbsterwählten „Hood“.

 


Stammgäste – unser „A und O“

Teamspirit & Qualitätsanspruch: Profis am Werk – mit dem Sinn für Soziales

Ein großer Teil des Erfolges ist sicherlich dem Team und dem vorher besprochenen Qualitätsanspruch geschuldet. Es braucht ein motiviertes, dynamisches Team, das Anfragen bearbeiten und gleichzeitig Kaffee servieren kann. Unsere Barista-Truppe hat es geschafft, die Kaffeequalität über die 10 Jahre schnell auf ein hohes Niveau zu bringen und laufend weiterzuentwickeln. Die Espressoqualität überzeugt. Auf Milchkaffees wie Cappuccino, Cortado & Co trägt professionelle Latte Art zur Begeisterung der KundInnen bei.

Bezüglich Qualitätsverlust: Man kennt das ja von Entwicklungen neuer Restaurants in Wien -> Bei der Eröffnung ist alles toll und dann, nach und nach über die Jahre, sinkt oftmals die Qualität. Das hat viele Gründe. Beispielsweise: Es wird billiger eingekauft und gekocht und das schmeckt man. Oder: Mitarbeiter ziehen weiter oder neue bekommen weniger bezahlt und die Service-Qualität leidet.

Unser Credo ist, genau das nicht stattfinden zu lassen. Lieber schütten wir den Kaffee weg, bevor wir einen – für unsere Maßstäbe – nicht so gut gelungenen servieren. Denn schleicht sich einmal der Schlendrian ein, dann sinkt das Niveau nachhaltig. Wir bereiten beispielsweise IMMER einen doppelten Espresso zu, auch wenn Kunden einen einfachen bestellen. Denn bei Kaffee ist es ähnlich wie bei Gulasch: Mehr Einwaage schmeckt nach mehr 😉. Also: ein Espresso mit doppelter Einwaage ist geschmacklich wesentlich besser als einer mit einer Einzelportion. Der zweite Espresso wird von uns selbst getrunken oder wir geben ihn auch gerne per SOSPESO raus, wenn er frisch ist. Nur wenn es gar nicht anders geht, lassen wir ihn durch den Rost laufen.

Kaffees, die wir für unsere Kunden nicht mehr als frisch genug einschätzen - egal welches Ablaufdatum, mahlen wir und bringen sie zu Caritas-Tagesstätten. Die freuen sich, denn es sind natürlich gute Kaffees, die noch völlig in Ordnung sind. Auch übriggebliebenes Gebäck vom Tag verteilen wir am Abend an uns bekannte Passanten und Hilfsbedürftige oder aber unsere liebe Nachbarin Judith  – die Kochdame – lässt sie in einem tollen Scheiterhaufen ein Comeback erleben. Köstlich!

Um diese Qualität konstant zu halten, beschäftigen wir inzwischen ständig sieben Personen und schaffen damit Lebensunterhalt. Hier in Wien, ganz ohne Auslagern oder Abwandern. Für uns ist das eine große Sache. Das macht uns glücklich. Und wir hoffen: Wir machen unsere Stammkunden auch ein bisschen glücklich! Denn Glück kann so klein sein – in jeder Tasse Espresso verbirgt sich mindestens ein Schluck Glück – davon sind wir überzeugt 😉

So mancher hat schon die Frage gestellt: Warum macht ihr keine weitere Filiale auf?
Würde man skalieren wär es unwahrscheinlich, diese oben beschriebene Qualität halten zu können. Bei allem Engagement des ganzen Teams zieht dieses winzige Espresso enorm viel Energie. Von allen, aber insbesondere von Patrick. Müsste er sich auf mehrere Standorte aufteilen, würde diese Energie verpuffen. Keiner hätte was davon – er wäre überall und nirgendwo zugleich. Herumfahren und Organisieren wären an der Tagesordnung. Er wäre also wieder mehr Manager als Kaffeesieder. Abgesehen von weniger Spaß wäre es für ihn wahrscheinlich gesundheitlich nicht tragbar. Daher sagen wir: skalieren? NEIN, danke! Wir bleiben lieber klein und fein, werden nicht reich damit, aber dafür glücklich.

Anleitungsvideos, Sprüche und andere kleine Blödsinnigkeiten
Sicherlich tragen auch unsere – nicht ganz ernst gemeinten – Videos und Social-Media-Beiträge zu einem gewissen Erfolg bei. Unseren Youtube- und Tiktok-Kanal haben wir hauptsächlich deswegen ins Leben gerufen, um Service-Tipps für kleine do-it-yourself-Reparaturen bei Kaffeemaschinen zu geben. Und natürlich auch, um Maschinenmodelle vorzustellen oder Hygiene-Tricks zu transportieren. Viele sehen sie zwecks Belustigung an. Schließlich erklärt Patrick in breitestem Oberösterreichisch Infos und Tipps über Kaffeezubereitung und Maschinen. Hier sind die automatischen Youtube-Texte recht praktisch, da sie die Inhalte auch für Menschen anderer Bundesländer verständlich machen 😉

Humor als Erfolgskomponente
Schabernack ist bei uns an der Tagesordnung. Wir sind sehr leicht zu unterhalten und brauchen nicht viel, um inspiriert zu sein: Eine Headline in der Zeitung, eine Baustelle oder eine kaputte Maschine –  alles kann „Muse“ sein. Das gilt ebenso für unsere Nachbarn – schon so manches Späßchen wurde gemeinsam ausgeheckt. Hier ein paar Anekdoten:

1.      Beispielweise, als Norbert von gegenüber findet, er muss ein Gerücht streuen, weil er wissen will, wie lange es dauert, bis es durch ist und alle „davon gehört“ haben. Er erzählt Mittags einer seiner Stammkunden, dass im „40er-Haus“ der Bruder des Kanzlers wohnt. Schon am nächsten Nachmittag hatte es komplett die Runde gemacht und viele versuchten, einen Blick auf besagten Promi-Bruder zu erhaschen. Natürlich vergebens – bis heute 😉

2.      Auch Vlad, der Reifenspezialist und Nachbar von gegenüber, dem „Geschäfte mit Geschichte“ zurecht ein kleines Porträt gewidmet hat, ist immer für einen Spaß oder den Austausch zur Lage der Nation im Allgemeinen sowie auf der Wieden im Speziellen, zu haben. Wir nennen ihn liebevoll „Reifenschuster“. Er ist weit über die Wieden hinaus bekannt – viele lassen ihre Autos nur von ihm „berädern“. Bereits in den 70er-Jahren hat er mit nur fünfzehn Jahren hier auf der Wieden angeheuert. 1984 hat er das Geschäft dann übernommen und arbeitet und lebt hier mit einer Leidenschaft, die seinesgleichen sucht. Gleichzeitig bringt er Passanten, Auto-, Rad- & Scooter-Fahrern die Straßenverkehrsordnung bei und hat damit schon einiges dazu beigetragen, die Unfallquote auf der Wiedner Hauptstraße zu reduzieren. Auch Kinder lieben ihn: Bei ihm ist „immer was los“.

3.       Ebenso ist unsere Nachbarin Judith – die Kochdame – sehr kreativ. Beim Essen wissen wir es ja. Aber in Sachen Streich, das war neu! Bekanntermaßen ist die Spielwarenfirma Mattel sehr findig, wenn es um die Ausstattung ihrer Barbie-Puppen geht. Das macht auch vor Baristi nicht halt. 2017 kam KEN als Hipster-Barista auf den Markt und zu uns. Er erregte damals so viel Aufmerksamkeit, dass wir viele neidige Blicke ernteten. Judith outete sich als besonderer Fan. Eines Tages, war KEN plötzlich weg. Wir suchten und fanden ihn nicht. Hatten Kinder-Gäste im Verdacht, dass sie ihn eventuell mitgenommen hätten. Sein Verbleib blieb ein Rätsel, bis Patrick plötzlich eine mysteriöse Whatsapp-Nachricht erhielt: KEN gegen Kaffee!“ Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, war ein Foto beigefügt, das unseren KEN gefesselt zeigte. Das ließen wir nicht auf uns sitzen und forderten im Gegenzug eine sofortige Befreiung mit Übergabe in der nächsten halben Stunde in unserem Schanigarten. KEN war frei! Die Geiselnahme endete glimpflich – keine Verletzten, keine Opfer. Natürlich gab es daraufhin für alle besten Kaffee! 😉
Bis heute ist KEN ein treuer Begleiter. Meistens sitzt er mit seiner Kaffee-Tasse und der Schürze auf einem unserer Regale und genießt still und friedlich die Atmosphäre im Café.

4.        Motto der Woche
Auf der Tafel, die rechts von der Auslage unseres Cafés angebracht ist, schreiben wir wöchentlich einen neuen Spruch auf. Wir nennen die Wand inzwischen Social Wall, denn sie führt zu regem Austausch. Passanten, Kunden, Nachbarn und Social Media-Follower:  Die Tafel wird „besprochen“. Einige warten tatsächlich am Montagmorgen schon auf das nächste Wochenmotto.
Manchmal sind unsere Sprüche sinniger, manchmal banal oder provokant. Ist der Spruch nicht so originell, dann geht es sogar so weit, dass wir Beschwerden bekommen. Oder aber – wenn wir mal etwas „Männerkritisches“ schreiben – bekommt Patrick Anrufe innerhalb des männlichen Bekanntenkreis: ob er Hilfe brauche oder gar etwas angestellt hätte 😉. Männersolidarität. Da können wir Frauen uns noch was abschauen – täte uns gut!

Seit rund 7 Jahren gibt es dieses Motto der Woche und das Involvement ist nach wie vor hoch. Zudem bekommen wir von Stammgästen immer wieder gute Ideen für einen nächsten Spruch. Also werden wir die Tafel beschreiben, solange uns die Sprüche nicht ausgehen.

5.      Unsere Personal-Toilette

Unsere Team-Toilette ist ein eigenes Kapitel. Der Gastraum ist ja mit den wunderbaren, denkmalgeschützten Glas-Fliesen ausgestattet. Auch die Küche ist vollgerammelt. Der einzige Ort im Café, der freie Wände bietet, ist das WC. So haben wir irgendwann mal beschlossen, für uns wertvolle Nachrichten, Bilder und geschichtsträchtige Auszeichnungen eben dorthin zu hängen.

Neben seiner ursprünglichen Funktion hat der Raum für uns inzwischen den Status eines kleinen „Room of Fame“ – denn von „Hall“ kann man bei dieser winzigen Quadratmeterzahl nicht sprechen. Unsere Fuß- und Handabdrücke sind zwar noch nicht verewigt, aber so mancher Lieferant, Bundeskanzler, Award oder auch private Erinnerungen sind hier ausgestellt.

Als Kaffeeschenke haben wir ja kein Gäste-WC und müssen auch keins haben. Aber so manche Besucher, die dann doch ihre Notdurft hier verrichten müssen, kommen ins Staunen. Mehr als ein Selfie wurde hier schon geschossen.  

Inzwischen ziert auch ein Sammelsurium an bemerkenswerten Ersatzteilen den Toilettenraum. Wenn man eintritt wird klar: Kaffee-Nerds mit viel Humor und Liebe zum Detail herrschen hier. Außer irgendein Gast hat wieder mal beschlossen, Hygiene sei gar nicht wichtig bzw. „die werden das schon putzen“. Leider hinterlassen manche dieser „Besucher“ teilweise extrem eklige Zustände. Dann rückt meist Jakob G. mit einem Magazin an Hygienemitteln ein und verpasst dem Raum die nötige, intensive Sonderreinigung. Resultat: Es ist für kurze Zeit so sauber, dass man seinen Kaffee am Boden sitzend genießen könnte – solange, bis der nächste Gast eintritt … 😉

 

Kaffeedoktor Schönberger

Der (Handels-)Wissenschaftler, dem Kaffeetrinker vertrauen

Viele Kaffeemaschinenreparaturen haben uns eins gelehrt: Geduld. Endlich versteht man Lehrer und seine Eltern oder Großeltern besser, die früher gebetsmühlenartig predigten: „Schau auf deine Sachen. Regelmäßiges (Zähne-)Putzen ist wichtig.“ Wir predigen unseren Kunden: „Vorkehrendes Entkalken und Reinigen der inneren Maschine ist das A und O für eine langes Leben des Geräts.“

Kunden sagen „Ja, mach ich“, haben dann allerdings oft nicht die Zeit, es zu tun. In solchen Fällen kommen dann „Patienten“ mit verkalkten Maschinen, die keinen Tropfen Wasser mehr geben. Oder es wächst der Schimmel in der Maschine. Auf Nachfrage bekommt man dann die Info: „Geputzt haben wir die Maschine immer – aber halt nur außen.“

Man denkt: „Hatte ich nicht bei der Einschulung mehrmals erwähnt, dass Kalkschutz und Hygiene wichtig sind?“ - Sancho Pansa und Sisyphus lassen grüßen…

Nachdem wir versuchen, auch solchen Situationen etwas Humorvolles abzugewinnen, haben wir den „Kaffeedoktor“ ins Leben gerufen. Auf dieser Plattform geben wir mittels Videos und unserem Kaffee-WIKI-Blog Tipps zur Maschinen-Pflege. Auch für kleinere do-it-yourself-Reparaturen ist das eine oder andere Video zu finden. Neben dem hilfreichen Effekt für Kunden haben wir selbst immer Spaß dabei, den Content zu drehen.

Es ist also stets etwas los hier auf der unteren Wieden. Fad wird es nicht. Und wir hoffen, dass uns noch viele Sinn- und Blödsinnigkeiten einfallen werden. Schließlich muss man selbst was unternehmen, wenn man was erleben möchte.

Heute: Kaffeegreissler im denkmalgeschützten Ambiente und Nahversorger im Grätzl

Wir begreifen uns als "Greissler" - dem österreichischen Begriff für einen kleinen Nahversorger ums Eck. Der Zweck, die nähere Umgebung mit notwendigen Kaffee-Utensilien, Süßem sowie Informationen aller Art sowie auch „Klatsch und Tratsch“ 😉 zu versorgen, trägt dazu bei, dass sich Menschen hier gerne treffen, ins Gespräch kommen und dabei eines DER Lieblingsgetränke der Österreicher genießen: besten Kaffee!

Wir stellen sicher: Guter Kaffee und das denkmalgeschützte Ambiente von 1955 bieten weiterhin die perfekte Basis für Gedankenaustausch und Kaffeegenuss. Nabers ursprünglichen "Kaffee-Greissler"-Ansatz haben wir weiterentwickelt: Es gibt heute über 50 Röstungen zu kaufen, Kaffee vor Ort im Café zu trinken und ein kleines Novum: Man kann zusätzlich Kaffeemaschinen gustieren und erwerben. So bleibt der Standort wirtschaftlich leistbar und der Nahversorger-Gedanke aufrecht.

Motto: Alles für guten Kaffee!

Für dieses Ziel gehen wir die sogenannte extra mile – wir beraten Kunden auch gerne mehrmals, falls sie sich in einer ersten Runde nicht entscheiden können. Diese Zeit nehmen wir uns, denn wir wollen keinem etwas aufdrängen. Schließlich soll man an Kaffee Freude haben und nicht später frustriert mit seiner neuen Anschaffung sein.
Oder wenn Sonntagmorgens das Telefon scheppert, weil eine Maschine plötzlich nicht mehr will, heben wir trotzdem ab – selbst wenn es ein „freier“ Tag ist. Denn ein „kaffeeloser Tag“ wäre einfach undenkbar! 😉
Wichtig ist uns, unserem Anspruch an hohe Kaffeequalität treu bleiben. Egal, ob der Espresso hier vor Ort im Kaffeegreissler-Café getrunken oder Bohnen oder Pads für zu Hause mitgenommen werden.

Unser Fokus liegt auf Trommelröstungen, am liebsten von kleinen Privat- und Micro-Röstereien. Das wird sich nicht ändern. Industrieröstungen kommen uns nicht ins Haus, auch wenn immer wieder angefragt wird, ob wir nicht doch Interesse hätten. Wir nehmen uns Zeit, neue Kaffees und Maschinen zu testen, bevor wir sie verkaufen. Sonntags – wenn geschlossen ist – arbeiten wir anders. Wir sind nicht vordergründig für unsere Kunden da, sondern widmen uns dem Kaffee- und Maschinenportfolio. In Ruhe verkosten wir neue Röstungen, probieren Zubereitungsarten und drehen kurze Videos über neue Maschinen bzw. mögliche Reparaturen, die man selbst erledigen kann, wenn man geschickt ist. Und das möchten wir beibehalten. Solange es geht, werden wir uns immer wieder Zeit reservieren, um uns mit den Innovationen in der Kaffeebranche auseinanderzusetzen. Dafür geben wir gerne Teile unserer Freizeit her. Schließlich ist unsere Arbeit zugleich eine Art Hobby.

Wenn wir auf Urlaub fahren, „googlen“ wir, bevor wir uns ins Sightseeing werfen, zuallererst „3rd-wave coffee shop“ oder „specialty coffee near me“. Dann machen wir uns auf zur Recherche. Sind neugierig, kosten und vergleichen. Suchen das Gespräch mit den Kaffee-Experten vor Ort. Holen uns Inspiration oder Bestätigung. Das Schöne daran: Oftmals gewinnen wir die beruhigende Erkenntnis, dass wo anders auch nur mit Wasser gekocht wird. Wir sind dann heilfroh, dass bei uns der Kaffee ebenso gut schmeckt wie in viel gepriesenen internationalen Renommé-Läden. Natürlich hätten wir auch gerne eine Theke, die ebenfalls „alle Stückerl“ spielen:

·         Vom luftdichten Bohnenspender über

·         direkt in die Schank eingebaute Siebträger-, Wasser- und Tee-Säulen hin zu

·         integrierten Kaffee-Wagen und

·         automatischen Eiswürfelmaschinen oder Kühlvitrinen.

-> Alles handlich, griffbereit und wunderbar anzusehen. Tja, das geht natürlich bei unserem kleinen denkmalgeschützten Kaffeegreissler-Café nicht. Wir motivieren uns, in dem wir uns sagen: „Dafür hat der Laden einen komplett ‚uniquen‘ Look: Er sieht besonders aus. Nicht, wie alle typischen modernen Coffee-Shops. Unser Extra ist das 50er-Jahre-Flair, kombiniert mit neuester Technologie, soweit das möglich ist. Eben Wiens allererster Coffee-Shop.“

Wir tragen weiterhin der alten „Kaffeesieder“-Tradition Rechnung und ergänzen um so viel neuer Technik, wie der denkmalgeschützte Rahmen und die Quadratmeterzahl erlauben.

Der Einrichtungsstil unseres Espressos und diese hier vorherrschende, positive Energie ist über viele Jahre gewachsen.
So ein Ambiente kannst du nicht kaufen. Ein Messebauer hat sogar einmal probiert, unsere Café-Flair in die Lounge des wunderschönen WU-Wien-Baus von Zaha Hadid für die dort stattfindenden Medientage zu bringen. Über drei Tage hat er sich an der Architektur Otto Hofmanns versucht. Da wurde uns selbst nochmals nachdrücklich klarer, wie viel beeindruckender „unser“ Original ist.

Auf die nächsten zehn Jahre!

 So beschaulich und gut bürgerlich es auf der Wieden ist, die letzten 10 Jahre haben uns gelehrt:
Hier herrscht eine unerwartete Innovations- und Neuerungskraft. Pläne schmieden ist gut, aber
die Realität ist dann oft dynamischer, als man sich in den wildesten Träumen ausmalen kann. Wir bleiben also flexibel, nehmen die aktuell gute Lage nicht für selbstverständlich, sondern versuchen mental gewappnet zu bleiben, für das, was da kommen mag.

Wenn man mit einer liebgewordenen Tätigkeit viel Zeit verbringt, dann fühlt es sich nicht an wie Arbeit. Es ist eine Berufung, der wir uns verschrieben haben und die uns Freude bereitet. Solange das so ist, werden wir weitermachen. Wir wollen dazu beitragen, die lange österreichische Kaffeehaus-Tradition mit guter Kaffee-Tradition zu füllen. Das Specialty-Cafetier-Netzwerk, dass diesen Ansatz hat, wird immer größer. Und das ist gut so.
Denn: Es macht Spaß, tollen Kaffee zu produzieren und zu genießen. Besser kann man es beruflich sicherlich nicht treffen, davon sind wir überzeugt.

Daher freuen wir uns auf die nächsten 10 Jahre – gemeinsam mit einer motivierten Crew, schönen Begegnungen mit kaffeeliebenden Menschen, voller guter Nachbarschaft und Wohlwollen zum Miteinander. Auf dass es weiterhin „menschelt“ und menschlich bleibt.

Wir fokussieren weiterhin auf die kleinen Freuden des Lebens. Für uns bedeutet diese Freude Espresso:  

Geschenk an Patrick zum 10jährigen Jubiläum -  Designcredits: @chiligallei

·         DAS Espresso: unser Kaffeegreissler-Café, das so wundervolle Begegnungen ermöglicht und

·         DER Espresso: das Getränk.


Man sagt, die Extraktion eines Espressos lässt sich in drei Phasen einteilen:

  • Phase 1: die Phase der SÄUREN findet in den Sekunden 1 - 8 statt.

  • Phase 2: die Phase der AROMEN & ÖLE findet in den Sekunden 9 - 16 statt.

  • Phase 3: die Phase der BITTERSTOFFE findet in den Sekunden 17-24 (Entstehen der Crema) statt.

Diesen drei Phasen werden wir also auch künftig als kleinem Heiligtum frönen: „Espresso ist unser Gottes-Gebot, unsere Geißel und zugleich Götze“ – wie es der mit unserer Familie eng befreundete Arzt Beppo einmal so treffend ausgedrückt hat: Espresso ist sozusagen eure Dreifaltigkeit“.

Das ist ein schönes Sinnbild – dabei lassen wir’s vorerst bewenden und sagen DANKE BIS HIERHER an alle, die dieser Dreifaltigkeit bei uns den Einzug ermöglicht haben, und ihr (wie auch uns) weiterhin geneigt und gewogen bleiben! 😉  

#allesfürgutenkaffee!
Die Schönbergers

 

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