Heute wieder mal was in Sachen Multitalent Kaffeesud.
Wie schon in früheren Beiträgen erwähnt, ist der Kaffeesatz ein wertvolles "Abfall"-Produkt, das ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft vielseitig weiterverwendet werden kann. Ob zur Geruchsneutralisierung in Kühlschränken oder Autos, zum Reinigen von Spülen, als Möbelpolitur, als Pflanzendünger, Schädlingsabwehr oder zur Körperpflege (Haarspülung oder als Peeling mit Anti-Cellulite-Effekt). Und auch die Textilindustrie hat den Kaffeesud für sich entdeckt: so erzeugt z. B. Singtex, Marktführer für Funktionstextilien, sogar Trikots und Teppiche aus Kaffeesatz. Es ist somit also klar: Kaffeesud ist vielseitig anwendbar und erzielt nachweislich beste Effekte!

Kaffee für die Pilzzucht!

Ganz den Gesetzen des "ökologischen Fußabdrucks" bzw. der Blue-Economy folgend, setzen mehr und mehr Private wie auch Betriebe - wie z. B. Gärtnereien - auf den Wunderstoff Kaffeesatz. Perfekt für uns, weil wir trinken und schenken gerne viel Kaffee aus und da ist es uns natürlich umso lieber, wenn nach so einem umtriebigen Tag Nichts übrigbleibt, was bestens als Rohstoff für Anderes dienen kann.  

Ein im deutschsprachigen Raum nicht neuer, aber immer wieder weiterentwickelter Ansatz ist die Zucht von Pilzen. Mittels Kaffeesud-Einsatz bekommen die allseits bekannten Champignonfarmen nun Gesellschaft von ander-n Pilzfarmen, wie z. B. Austernpilz- & Seitlings-Farmen. Denn all diese Pilzsorten lieben Kaffeesatz als Basis für ihr Wachstum. Sie nehmen beim Wachsen allerdings kein Koffein auf und schmecken auch nicht nach Kaffee. Win-Win-Situation, sozusagen.

Kaffeesatz
 Florian Hofer und Manuel Bornbaum - Gründer Hut&Stiel

Florian Hofer und Manuel Bornbaum - Gründer Hut&Stiel

Vor einigen Jahren gab's bereits im experimentierfreudigen Berlin die ersten Pilzstartups, die sich neben Austernpilzen auf Limonen- & Rosa Seitlinge spezialisert haben. Und nun ist der Trend auch in Österreich angekommen. So geschieht das z. B. auch beim sympathischen Gründer-Duo von Hut & Stiel, das zu 100% auf Kreislaufwirtschaft setzt und sich auf Austernseitlinge spezialisiert hat. Hier wachsen in einem Keller im 20. Wiener Gemeindebezirk die Seitlinge froh vor sich hin und sind aufgrund ihrer Qualität offensichtlich auch in der Spitzengastronimie sehr beliebt.

Bei solchen Keller-Zuchten kann man - je nach Anbaufläche - bis zu 150kg monatliche Ernte mit guter Qualität erzielen und um eine Idee zu bekommen, welche Kaffeesatzmengen zum Einsatz kommen: aus einer Tonne Kaffeesatz kann man ca. 150 Kilo Pilze ernten.
 

Pilz-Auf-KaffeeSatz-Experiment für zu Hause

Für alle, die jetzt auf den Gusto gekommen sind und selbst mal ausprobieren möchten, ein paar Austernpilze oder Seitlinge zu ziehen, hier eine kleine Anleitung für zu Hause.

Ihr braucht:

  • eine große Schale oder eine Folie
  • ein scharfes Messer oder eine Schere
  • einen Blumentopf mit Loch im Boden
  • eventuell Gartenhandschuhe
  • ca. 300 g frischen Kaffeesatz (maximal 2 Tage alt)
  • ein Pilzpaket-Substrat - also die "Samenbasis" zum Ansetzen (gibt's in gut sortierten Gartenhandlungen oder hier Online zu bestellen: Pilzpaket)
 Anzucht Austernpilze in Kaffeesatz

Anzucht Austernpilze in Kaffeesatz

Und so einfach geht's:

1. Streift die Handschuhe über, wenn Ihr Euch die Finger nicht schmutzig machen wollt.
2. Schneidet dann die Folie mit dem Messer oder der Schere komplett auf.
3. Gebt den Großteil des Kaffeesatzes in den Blumentopf (hebe etwas Kaffeesatz auf, um später die Oberfläche des neuen Gemisches zu bedecken.
4. Nehmt das Substrat aus der Verpackung, zerkleinert es in der Schale oder auf der Folie und vermischt es dann gut mit dem Kaffeesatz im Topf. Wenn gut durchmischt, dann könnt ihr es ruhig etwas fest drücken.
5. Nimm den restlichen Kaffeesatz und bedecke den Topfinhalt damit.
6. Nun stellt den Blumentopf an einen schattigen Platz, ruhig auch im Freien (achtet dabei darauf, dass er nicht zu viel Sonne hat). Fertig!!

Der Pilz macht nun die Arbeit: es dauert nun etwa 14-28 Tage, bis er das neue Substrat komplett durchwachsen hat (ist von der Pilzsorte abhängig). Nach zwei Wochen kann man dann beginnen, das Substrat mit der Gießkanne zu befeuchten - kann ruhig kräftig sein.
Danach regelmäßig (ein bis zwei mal täglich) feucht halten. Nach wenigen Tagen zeigen sich dann erste Fruchtkörper und ein paar Tage darauf kann dann schon geerntet werden!

 Espresso im Schönbergers - (c) R.Loidl

Espresso im Schönbergers - (c) R.Loidl

Viel Spaß beim Experiment!

In der Zwischenzeit könnt Ihr bei uns im Schönbergers vorbeischauen und bei einer guten Tasse Kaffee die Wartezeit verkürzen. Und natürlich könnt Ihr jederzeit gratis Kaffeesud mitnehmen - solange der Vorrat reicht! 😉

Pilze auf Kaffeesud

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