Diese Frage ist natürlich ein sehr heikles Thema. Da ich keine medizinische Ausbildung habe, ich sie aber sehr oft im Hobby-Barista-Kurs gestellt bekomme, teile ich hier die neuesten Erkenntnisse deutschsprachiger Forschungsinstitute und Gesundheitsplattformen (weiterführende Links siehe unten im Artikel).

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Worum's Kindern geht

Auf den Punkt gebracht ist es sicher der "Reiz des Verbotenen". Kaffee gilt als Getränk für Erwachsene. Und natürlich sind Kinder von Natur aus neugierig und möchten als "groß" und erwachsen gelten. So ist es besonders reizvoll zu probieren, was Eltern oder die größeren Geschwister täglich konsumieren.

Erst einmal probiert, ist den lieben Kleinen Kaffee im ersten Kontakt meistens zu bitter, einige wenige finden Gefallen an dem Geschmackserlebnis oder sind einfach stolz darauf, es den Älteren gleichtun zu dürfen und sagen "Das will ich ab jetzt immer".
 

Ab welchem Alter ist Kaffeegenuss für Kinder unbedenklich?

Das ist die Frage aller Fragen. Die gute Nachricht vorweg: Es gibt nicht einen stichhaltigen Beweis dafür, dass Kaffee ein Gesundheitsrisiko für Kinder oder sogar Kleinkinder ab drei Jahren darstellen könnte. In der Regel verfügen sie über die gleichen physiologischen Möglichkeiten, Koffein zu verarbeiten wie Erwachsene.

Mit einer kleinen Einschränkung: Weil Kinder weniger Blutvolumen haben, ist die Koffein-Konzentration im Blut durch eine Tasse Kaffee ungleich höher als dieselbe Menge beim Erwachsenen. Koffein wird deshalb vom heranwachsenden Körper wesentlich schneller absorbiert und sollte, wenn genossen, dann nur in entsprechenden Kleinstmengen getrunken werden.

Wichtig ist: Kaffee darf nicht zum Ersatz für Getränke wie Mineralwasser, Milch, Früchtetee oder Obstsaft werden, welche für die kindliche Gesundheit unverzichtbar sind. Ferner ist zu berücksichtigen, dass sich viele Kinder bereits Koffein in Form von Limonade, Cola oder Schokolade zuführen.
 

Was Eltern nicht immer berücksichtigen

  • Auch Kakao enthält ein dem Koffein verwandtes Alkaloid, das gleichfalls stimmungsaufhellende Theobromin.
  • Verstecktes Koffein in Medikamenten
  • Vorsicht ist auch besonders bei den Erfrischungsgetränken geboten: industriell hergestellter Eistee basiert zum Beispiel auf Schwarzteeextrakt. Schwarztee enthält Teein, also Koffein, was ihn - neben seinem hohen Zuckergehalt – als Durstlöscher für Kinder ungeeignet macht.

Potenzieren sich die Wirkungen der einzelnen Koffein-Getränke über den Tag verteilt durch Kakao, Tee oder Energy-Drinks und wird dann noch Kaffee ergänzt, ist die empfehlenswerte Grenze schnell überschritten. Denn wie fast jedes Nahrungs- oder Genussmittel kann er im Übermaß konsumiert mehr Schaden als Nutzen bewirken.


Industriell gerösteter Kaffee in der Kritik

Oftmals beginnt der Kaffeegenuss im Alter von zwölf Jahren in Form einer Tasse Milchkaffee oder Cappuccino. Aufgrund der noch empfindlichen Schleimhäute des Kindermagens empfiehlt sich hier unbedingt "schokoladig" trommelgerösteter Kaffee (ca. 15 - 18 Minuten geröstet), da der kaum Bitterkeit und Säure enthält.

Von industriell gerösteten Kaffeesorten (4-5 Minuten Röstzeit) - wie z. B. in herkömmlichen Supermärkten oder auch in den meisten Kaffeehäusern zu bekommen - raten Experten dringlichst ab. Auch bei fruchtigen Kaffees (kürzere Röstzeiten) sind sie sich einig: für Kinder sind diese eher nicht geeignet, da die enthaltenen Säuren im kindlichen Organismus anders wirken als bei Erwachsenen.
 

Kaffee schützt Kinder vor Depressionen

Die gute Nachricht: Brasilianische Forscher fanden heraus, dass Kinder und Jugendliche, die regelmäßig Milchkaffee trinken, weniger anfällig für Depressionen und schulische Leistungstiefs sind.

Auch Hyperaktivität wird neuesten Untersuchungen zufolge durch koffeinhaltige Nahrungsmittel oder Getränke nicht begünstigt: Wie beim Erwachsenen erhöht sich allenfalls die Aufmerksamkeit durch den Genuss einer Tasse Kaffee.
 

Wie viel ist zu viel?

Noch existieren in Deutschland keine verbindlichen Richtlinien für kindlichen Kaffeekonsum. In Kanada gilt, dass Vorschulkinder bis sechs Jahre nicht mehr als 45 Milligramm Koffein pro Tag zu sich nehmen sollten. Je nach Zubereitung können schon eine Tasse Tee oder Kaffee an die 30 Milligramm enthalten, eine 0,33-l-Dose Cola sogar etwa 40 Milligramm. Fakt ist: Kinder sollten koffeinhaltige Getränke und Lebensmittel nur in kleinen Mengen konsumieren. Trinkt ein 30 Kilogramm schweres Kind in kurzer Zeit eineinhalb Liter Cola oder verdrückt drei Schokoriegel, wird es krank. Die Folgen sind Nervosität, Schlafstörungen, Bauch- oder Kopfschmerzen. Darüber hinaus wirkt Koffein harntreibend, wie die Kinder- und Jugendärztin Dr. Monika Niehaus in einer Pressenotiz ihres Berufsverbandes (BVKJ) in Thüringen dokumentiert: Dem kindlichen Körper wird unter Umständen zu viel Flüssigkeit entzogen.

Fazit

Natürlich kann man niemanden über den Kamm scheren, Erwachsene nicht und Kinder schon gar nicht. Der eine verträgt ein Lebensmittel sehr gut, der/die andere weniger. Bitte dies zu bedenken, wenn Ihr für Euer Kind die Entscheidung trefft, Kaffee haben zu dürfen - oder eben nicht. Die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass - wenn Kinder kleine Mengen von Kaffee "erwischen" oder zu sich nehmen (sei es in Form von echten Kaffees oder von Koffeein in Medikamentenform) - alles im grünen Bereich ist, solange sie genügend andere Flüssigkeiten - am besten Wasser - zu sich nehmen. Natürlich obliegt es der Aufsichtspflicht der Eltern, hier die letztgültige Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen zu treffen.

Euer Kaffeeliebhaber Patrick Schönberger, Euer Kaffee Pad
Weiterführende Links:
www.eufic.org/article/de/artid/koffein/
www.neuropool.com/berichte/gesundheit/wie-schaedlich-ist-kaffee-fuer-kinder.html
www.aerzteblatt.de/nachrichten/43975/Koffeinkonsum-beeinflusst-Schlaf-von-Kindern
www.presseportal.de/pm/14454/2379619/mckinsey-studie-deutsches-ausbildungssystem-schneidet-im-internationalen-vergleich-sehr-gut-ab

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